Am Morgen des 5. Augusts 2026 fand ein geheimes Treffen zwischen dem illegetim übernommenen Vereinsvorstand des Hausprojektes AJZ Kita/ La Casa, der Berliner Polizei und der Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Nadja Zivcovic (CDU), statt.
Bei dem geheimen Meeting im Rathaus dürfte es um die Vorbereitung von Repressionsmaßnahmen gegen die Menschen, die das AJZ Kita nutzen, bewohnen und betreiben, gegangen sein. Eine solche offene Zusammenarbeit von selbsternannten linken Strukturen mit rassistischen Parteien und den Cops ist ein neuer Tiefpunkt.
Wir anonymisieren die Namen im folgenden Text, um sie nicht in der Öffentlichkeit zu outen.
Was zuvor geschah?
Die Geschehnisse am 4. Juli 2026 rund um die gescheiterte “Besetzung” des AJZ Kita in Marzahn-Hellersdorf durch einen Schlägertrupp sind bereits hinlänglich dargestellt worden (https://kontrapolis.info/18262 | https://kontrapolis.info/18264 | https://kontrapolis.info/18273). Doch zum Hintergrund der Geschehnisse gehört auch die Rolle des Vorstands vom Trägerverein des AJZ Kita. Innerhalb des letzten Jahres wurde der Vereinsvorstand des AJZ Kita im Zuge einer geplanten Aktion von einer kleinen Personengruppe übernommen. Dabei wurden zum Teil Personen eingesetzt, die seit Jahren nicht mehr im Haus oder im Bezirk aktiv waren. Dutzende Personen erschienen plötzlich auf der Vereinsversammlung des Hauses – ohne, dass sich die derzeitigen Hausbewohnenden und Hausnutzenden dagegen wehren konnten. Dadurch gelang es ihnen, eine Mehrheit bei der Wahl zu konstruieren, um teilweise fremde, ältere Männer in den Vorstand zu putschen. Seither wird der Vorstandsposten genutzt, um Hausbewohner*innen und Hausnutzenden mit unliebsamen politischen Positionen repressiv entgegenzutreten oder Einzüge und Nutzungen von neuen Menschen gänzlich zu verhindern.
Hierbei wird eigenmächtig und autoritär, ungeachtet des Willens der langjährig bestehenden Wohngemeinschaften und Nutzer*innen sowie der ursprünglichen Ziele des Vereins, entschieden. Der Vorstand agiert somit nicht im Sinne eines autonomen, antifaschistischen Jugendprojekts, sondern allein nach seinen eigenen politischen Vorstellungen. Dass es für diese Selbstherrlichkeit keine Grenzen mehr gibt, zeigte sich auch beispielhaft am Geheimtreffen am 5. August im Hellersdorfer Rathaus.
Wer sucht den Schulterschluss mit der CDU und den Cops?
Am Morgen des 5. August liefen wir über den Alice-Salomon-Platz und sahen plötzlich einen der Vereinsvorstände des La Casa am Hellersdorfer Rathaus. Weil wir uns fragten, was er dort macht, haben wir die Situation beobachtet. Im Folgenden nennen wir die Person “N. B.”. N. B. war innerhalb des letzten Jahres nach mehreren Jahren erstmals wieder im AJZ Kita/ La Casa. Er tauchte – für viele Hausbewohner*innen als gänzlich Unbekannter – bei der Mitgliederversammlung auf, um sich in den Vorstand wählen zu lassen. N. B. scheint nicht in Marzahn-Hellersdorf wohnhaft zu sein und ist darüber hinaus weder in den Jahren vor der Vorstandswahl noch heute aktiv im Kontext des Hauses AJZ Kita/ La Casa gewesen. Auch langjährige Hausbewohner*innen und Nutzer*innen kennen diese Person nicht. Seine Absichten, der Vorstand eines Projekts zu werden, in dem er weder wohnt noch politisch oder sozial aktiv ist, erscheinen uns mehr als fragwürdig.
Als an die Macht geputschter Vorstand, der das Haus und seine Nutzer*innen kaum noch kennt, scheint er das Objekt nun als seines zu betrachten. Vor der CDU-Bürgermeisterin und den Bullen spielt er sich offensichtlich als alleiniger Repräsentant des Vorstands auf.
Wie es zu dem Treffen im Hellersdorfer Rathaus kam, ist unklar. Der Machtmissbrauch, den sich Einzelpersonen durch Übernahme von bürokratischen Posten sichern, ist für linke Projekte leider nichts Neues, die aktive Zusammenarbeit mit Polizei und Politik gegen die eigenen Leute ist dennoch ein Besorgnis erregendes Maß neuer Eskalation, das sich in eine Kette von Eskalationen zum Erhhalt eigener Autorität einreiht. Nach dem gewaltsamen Angriff der Gruppe “Reclaim La Casa” auf gegenwärtige Hausbewohnende gibt es in linken Bewegungen Berlins kaum noch Rückhalt für die Unterstützer*innen des selbsternannten Räumkommandos. Stattdessen sucht der ins Amt geputschte Vorstand nun auf anderem Wege nach Möglichkeiten, um sich mit Hilfe von CDU und Polizei an der Macht zu halten. Dabei untergräbt ein solches Treffen jegliche Standards linker Politik und Konlifktkultur. Zudem gefährdet es letztendlich die Existenz des gesamten Hauses.
Treffen zwischen dem Vorstand, Bullen und CDU am 5. August 2026
Dementsprechend nahm N. B. als einziges Vorstandsmitglied mit einer unbekannten Begleitungperson zum Treffen im Rathaus teil. Da sie sich im großen Ratssaal trafen, konnten wir die Situation durch die Fenster beobachten. Weiterhin anwesend waren die CDU-Bürgermeisterin, Nadja Zivcovicz, Heike Wessoly (CDU Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung), zwei Berliner Cops vom örtlichen Abschnitt und drei weitere Personen, bei denen es sich wahrscheinlich um Verwaltungsangestellte des Bezirks handelt. Neben der CDU war augenscheinlich keine Partei anwesend.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der amtierende Vorstand bei diesem Treffen versuchte, gemeinsam mit der CDU einen Weg zu finden, um ihm unliebsame Nutzer*innen aus dem AJZ Kita zu drängen. Im Angesicht der anwesenden Polizei ist davon auszugehen, dass hierbei auch Forderungen nach Amtshilfe im Raum stehen, um eine polizeiliche Begehung als Grundlage einer anschließenden Räumung durchzusetzen.
Wir empfinden es als absurd, dass sich N. B. im Rathaus als Sprecher des Hauses aufführt und gleichzeitig Gesprächsanfragen der Hausbewohner*innen laut deren Aussage seit Wochen ignoriert. Das zeigt die Prioritätensetzung des gegenwärtigen Vorstandes.
Es ist für uns nicht verwunderlich, aber unverständlich, dass sich die Bezirkspolitik von einem Fremden vor den Karren spannen lässt anstatt das Gespräch mit langjährigen Hausnutzer*innen zu suchen. Zudem würde dem Bezirk bei so einem Austausch wohl schnell klar werden, dass das die politische und kulturelle Arbeit im Sinne des Vereinszwecks von den aktuellen Nutzer*innen und nicht von N. B. als Repräsentation des Vorstands betrieben wird.
Wir würden es als es als unnötige politische Eskalation betrachten, sollte vom Bezirk allein aufgrund einseitiger Informationen ein Polizeieinsatz im AJZ Kita provoziert und durchgezogen werden.
Insgesamt ist es für uns erschreckend zu sehen, welche Mittel das Umfeld von “Reclaim La Casa” wählt, um die eigenen Politik durchzusetzen. Wenn das “Reclaimen” nun nach der gescheiterten “Besetzung” Hand in Hand mit CDU und Polizei stattfinden soll, ist das der letzte Beweis, dass diese Gruppen die Basis linker Politik verlassen haben. Sie agieren nicht anders als die unzähligen Investor*innen in dieser Stadt, die mit den Cops ihre Interessen gegen die eigenen Mieter*innen durchprügeln lassen. Allein durch das Treffen hat sich der gegenwärtige Vorstand um N. B. für jegliche linke Politik disqualifiziert. Dass sich eine CDU geführte Bezirkspolitik nur allzu gern vor den Karren spannen lässt, um linke Personen aus dem Stadtbild zu verdrängen, ist nicht weiter verwunderlich.



